Hoffnung für vergessene Kinder

Inge und Ulrich Schum
Juni 2005


Den letzten Kilometer müssen wir zu Fuß gehen, zu schmal ist der Pfad, der zur Lehmhütte der Familie Kambiré durch die kargen Felder führt.. ( Abb.1 Fam. Kambiré ) Hier wohnt die Mutter mit ihren drei Kindern. Ihr eigenes Haus wurde vor 2 Jahren von einem Unwetter zerstört, anschließend hat sie der Mann verlassen. Er wohnt mit einer Frau zusammen in einem anderen Dorf und kümmert sich nicht um die Kinder. Unermüdlich fleißig versucht nun die Mutter, sich und die Kinder durch Feldarbeit zu ernähren. Wenig ertragreich, die Mittel für Dünger fehlen. Dennoch fällt sofort eine wohltuende Sauberkeit und Ordnung im kleinen Anwesen auf. Allein der Blick haftet wie angezogen auf dem ernsten Gesichtsausdruck der ganzen Familie, geprägt von Härte und Hoffnungslosigkeit eines zermürbenden Alltags. Vier ängstliche und fragende Augenpaare betrachten uns. Hoffnung? Das also ist die erste Familie im Programm < mehr wissen - besser leben > , mit dem meine Frau ihren persönlichen Kampf gegen Armut und fehlende Bildung in der Diözese Diébougou beginnen will! Tränen lassen sich beim Anblick dieser verzweifelten Familie kaum verbergen.
Das aber ist die Realität, wenn man eben den Ärmsten der Armen helfen möchte. Für sie ist meist alle fremde Hilfe unerreichbar. Sie sind einfach vergessen. Um sie zu finden und die nun einmal notwendige Auswahl zu treffen, bedarf es keiner Hilfe von Behörden und Institutionen. Hier braucht man alleine einen Ortskundigen, der vor allem viel Verständnis und Einfühlungsvermögen mitbringt, gleichzeitig aber auch mit kritischem Blick und sachlicher Einschätzung seine Arbeit angeht. Olivier Dabiré, 26, unweit von Diébougou in Dano geboren, der Diplom-Optiker unserer Augenklinik (von der aa/D ausgebildet), vereint in geradezu idealer Weise diese Eigenschaften in seiner Person. Seit über 4 Jahren arbeitet er bereits mit uns zusammen in der Klinik : wissbegierig, eifrig und ideenreich. Einer der wenigen, die hier weiterkommen wollen.
Seiner umfassenden und sorgfältigen Vorarbeit ist es zu verdanken, dass wir in wenigen Tagen zusammen mit meiner Frau ein Hilfepaket anbieten und realisieren können, das einige der Kinder wieder hoffen lässt. Wie viele Gänge zu Behörden und Einkaufsmärkten notwendig sind, kann man nur ahnen, wenn man weiß, dass die meisten unserer Familien mit ihren Kindern nicht einmal gemeldet sind, oder mangels einiger übriger francs noch keine Identifikationskarte oder eine Geburts- urkunde haben. Für unser Programm zeigen die Behörden dankenswerter Weise viel Verständnis und arbeiten - wenn auch motiviert durch kleine < Geschenke> - ungewohnt schnell !
12 Familien sind so bereits im Programm fest eingebunden. Alle haben wir mehrmals besucht, (z.T. auf dem Sozius vom Moped, das geht schneller auf den schmalen Pfaden), haben neben der Einschulung das notwendigste im häuslichen Bereich angeschafft, von der Öllampe über Plastikeimer und Teller bis hin zur Schlafmatte mit Decke. ( Abb 2 Familie Julien Somé ) Die wiederholten Besuche bei den Familien haben aber auch ein dankbares Vertrauensverhältnis geschaffen. Dies hat ihnen gezeigt, dass sie doch nicht ganz vergessen sind, ... kaum einen Kilometer entfernt von Hektik und Lärm des aufstrebenden Dorfes Diébougou.
Zuletzt bekommt noch unsere liebe kleine Marie Claire Kpoda (7) einen neuen Schulranzen, aufgefüllt mit allen üblichen Utensilien. Nach einem tragischem Unfall - beim Reinigen einer Schrotflinte hat der eigene Großvater ihr den Unterschenkel durchschossen - trägt Marie Claire eine Unterschenkelprothese, die ihr seit Jahren von einem Mitarbeiter der africa action finanziert wird. Wie stolz ist die Kleine nun auf ihren europäischen Schulranzen! ( Abb.3 Marie Claire mit neuem Rucksack) Unser bisheriges Programm ist lückenlos mit Foto und behördlichen Dokumenten erfasst, bei all der unablässigen Genauigkeit aber persönlich gehalten, eben genau so, wie wir es uns - vor allem aber meine Frau sich ihr Programm - vorgestellt haben. Dass die Arbeit in Diébougou vermutlich Bestand haben wird und Fortschritte erwarten lässt, dass ist alleine unserem Repräsentanten vor Ort - unserem eifrigen Olivier - zu verdanken. Er ist froh und stolz, bei uns, neben der Möglichkeit, eigene Ideen ver- wirklichen zu können, ein zweites finanzielles Standbein zu haben. In regelmäßigen Abständen wird er die Familien besuchen, mit Kindern und Lehrern sprechen. Hierfür hat er eigens einen detaillierten Bewertungsbogen erstellt.

Bei aller Euphorie angesichts unserer Fortschritte, hätten wir leicht unser eingefahrenes Programm in der Klinik vergessen können : 35 Operationen, über 300 ambulante Patienten und zwei Ausfahrten mit dem Ambulanz- wagen nach Nyegbe und Maria Tang an der Grenze zu Ghana wollen auch erst einmal erledigt sein!! Dabei helfen uns modernste automatisierte Geräte, exakt und dabei auch schnell zu arbeiten ( Abb.4 z.B. Non-Contact-Tonometer )

Unser Fazit: es hat uns wieder einmal große Freude bereitet, wenn auch nur einigen wenigen der Ärmsten einen kleinen Lichtblick geschenkt zu haben. Wir wissen: auch viele andere warten noch darauf…
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Interessenten zur Unterstützung von Einschulungen melden sich bitte bei:
Inge Karin Borchhardt-Schum, Am Kapuzinerhölzl 39a in 80992 München
Tel: 089/ 303 311 oder FAX 089/ 121 128 77


Derzeit vorgesehene Programme :
Einschulung ( Primärschule ) einschl. Lehrmittel
25 EURO / pro Schuljahr / pro Kind


Einschulung (weiterbildende Schulen /Collèges) einschl. Lehrmaterial )
75 EURO/ pro Schuljahr/ pro Kind


Einschulung ( Primärschule ) einschl. Lehrmaterial, Nahrung und Kleidung
120 EURO / pro Schuljahr/ Kind


Entspr. Spenden bitte an das Konto der "africa action/D mit dem Vermerk:
"Für BF - I. Schum"
Kto Nr. 130 166 3010, BLZ 370 692 52


Für die weitere Bekämpfung der Blindheit im Sahel bitte mit Vermerk "für BF"




BURKINA FASO

Ehemalige französische Kolonie Obervolta bekam seinen Namen 1984 im Zuge der sozialistischen Revolution. BF wird offiziell mit Vaterland der Würde oder Land der aufrichtigen ( stolzen ) Menschen übersetzt. Die Einwohner bezeichnen sich als Burkinabè


Geographische Lage

Die Republik BF liegt südlich des großen Nigerbogens und ist ein Binnenland ohne Zugang zum Ozean. Das etwa 274 000 qkm große Staatsgebiet grenzt im Norden an Mali und Niger, im Süden an die Elfenbeinküste, Ghana, Togo und Benin. Hauptstadt ist Ougadougou mit über 1 Mill.Einwohnern. Zweitgrößte Stadt ist im Süden Bobo Diolasso.


Klima und Naturraum

Der Norden gehört zur Sahelzone -der Süden zur Sudanzone. Man durchfährt endlos weite Ebenen - Strauch- und Baumsavannen. Zum Norden hin werden die ohnehin schon wenigen Niederschlagsmengen immer geringer, die Landschaft wird karger und trockener bishin zu baumlosen Steppen und ersten Sanddünen. In der Trockenzeit (November - April ) bis zu mehr als 45 Grad C wirkt das ganze Land ausgedörrt, kahl und nackt.In der übrigen spärlichen Regenzeit ( z.T. mit sintflutartigen Regengüssen ) grünt das Land vor allem im Südwesten in wenigen Tagen. Dann werden Hirse, Mais, Sesam, Baumwolle und auch einige Gemüsesorten angebaut. Der fast einzige Exportartikel ist die Baumwolle ( 4.größter Baumwollproduzent )


Bevölkerung

Ca. 11,5 Millionen Einwohner
Religionen: ca.50% Moslem, 20% Christen, Rest traditionelle afr.Religionen Mehr als die Hälfte der Einwohner ist unter 21 Jahren, die Lebenserwartung liegt bei ca 45 Jahren. Nur 14% der Bevölkerung lebt in den Großstädten. Die Kindersterblichkeit ist auf Grund von Infektionskrankheiten ( Malaria, AIDS ) erschreckend hoch. Die Frauen arbeiten härter noch als die Lasttiere: schwerste Kopflasten ( Wasserbehälter, Brennholz) ein Baby auf den Rücken, ein weiteres meist im Bauch, kilometerlange Wege zur Wasserstelle oder zum Markt gehend.- meist barfuß : Feldarbeit verrichten, Brennholz sammeln, Waschen unter primitiven Verhältnissen, Kinder und den Mann versorgen, wenn der nicht mit einer neuen Frau in ein anderes Dorf gezogen ist.


Sprachen, medizinische Versorgung, Durchschnittseinkommen

Amtsprache und Unterrichtssprache ist französisch ansonsten verschiedene Dialekte.
Die Versorgung mit Ärzten und Krankenhäusern ist besonders in den ländlichen Regionen mangelhaft. Das Durchschnittsjahreseinkommen beträgt 220 USD


Bildung

Das Schulsystem ist nach französischem Vorbild aufgebaut : 6 Jahre Volksschule ( Primärschule ), dann weiterführende Schulen ( Collèges )
Die Einschulungsquote liegt bei 16 % in den ländlichen Regionen, bei etwa 50 -80% in den großen Städten. Insgesamt also bei ca.37 % Die Schulwege sind lang, die Klassengröße beträgt oft über 100 Schüler !
Schulgeld und Lehrmittel sind meist, in weiterführenden Schulen auf jeden Fall vollkostenpflichtig.



Reisebericht Dr. Schum 06/2005 (pdf 19KB)
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Abb.1 Fam. Kambiré
Abb.1 Fam. Kambiré



Abb 2 Familie Julien Somé
Abb 2 Familie Julien Somé



Abb.3 Marie Claire mit neuem Rucksack
Abb.3 Marie Claire mit neuem Rucksack



Olivier mit Non-Contact-Tonometer
Olivier mit Non-Contact-Tonometer


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